Digitalisierung der Hamburger Schulen in Homeschooling Zeiten

Hallo Markus, du bist seit September 2019 bei uns an Bord, davor warst du aber auch schon bei AKQUINET. Wieso bist du zurückgekommen?

Für AKQUINET habe ich mich bewusst entschieden, weil mein Team immer super war. Ich konnte die Projekte sehr selbstständig bearbeiten, hatte hier sehr viel Vertrauen seitens der Geschäftsführung. Das gab den Ausschlag für meine Rückkehr.

Und was hast du dazwischen gemacht?

Nach drei Jahren bei AKQUINET war ich 2016 für ein Jahr segeln im Mittelmeer. Nach der Rückkehr habe ich als selbstständiger Berater gearbeitet. Das hatte viele Vorteile, aber auch Nachteile. Z.B. fehlte mir der Austausch im Team und eine „Basis“, die einem Rückhalt und Sicherheit gibt.

In welches Projekt bist du gerade eingebunden?

In unserem Team beraten wir den öffentlichen Sektor, also die Behörden des Bundes und der Länder, bei ihren Digitalisierungsprojekten. Momentan unterstütze ich die Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg bei der Umsetzung des Förderprogramms DigitalPakt Schule. Hamburg erhält ca. 128 Mio. Euro, um u. a. die Digitalisierung in den 340 staatlich allgemeinbildenden Schulen voranzutreiben, ca. 40 Mio. alleine für die Beschaffung von digitalen Endgeräten wie Tablets, Notebooks und Präsentationsgeräten für die Unterrichtsräume. Ich selbst unterstütze dort als externer Projektleiter und Berater für IT-Servicemanagement. Drei Kollegen unterstützen mich für einzelne Themengebiete.

Wo liegt bei diesem Projekt die besondere Herausforderung?

Im Gegensatz zu anderen Behörden ist dieser pädagogische Bereich der Schulbehörde wegen der Lernmittelfreiheit weniger standardisiert. Es geht darum, den Spagat hinzubekommen zwischen individuellen Gegebenheiten der einzelnen Schulen und einer standardisierten Umsetzung des DigitalPakts. Zudem gibt es ein Spannungsfeld zwischen Politik bzw. Verwaltung und dem tatsächlichen Bedarf der Schulen. Wir haben hier die Rolle des Beraters und des Vermittlers. Manchmal ist viel Fingerspitzengefühl gefragt.

Durch die Corona-Krise ist die Digitalisierung der Schulen in den Fokus geraten. Meinst du, dass diese besondere Situation Auswirkungen für die Digitalisierung haben wird?

Ja, vermutlich gibt es viele positive, aber auch negative Auswirkungen. Positiv ist, dass viele Bundesländer ihre Aktivitäten zur Digitalisierung der Schulen erhöhen wollen. Gerade jetzt beim Home-Schooling zeigt sich, wie wichtig eine verlässliche Kommunikations- und Kollaborationsplattform für die Zusammenarbeit zwischen Lehrkraft und den Schülerinnen und Schülern ist. Es kann allerdings, und das wäre negativ, zu einem blinden Aktionismus kommen. Jede Schule sucht nach schnellen Lösungen, die aber langfristig oft keinen Bestand haben. Wichtig ist, dass man die Dinge trotz der Situation wohldurchdacht und den Anforderungen entsprechend umsetzt. Dabei sollte man den Lehrkräften der Schulen zuhören und nicht nur dem Ruf der Medien oder der Lösungsanbieter folgen.

Interessiert dich die Schulthematik auch persönlich?

Ja, da ich selbst Vater eines Sohnes bin, der in ein paar Jahren in die Schule geht, ist es auch mein persönliches Interesse, dass er eine zeitgemäße Bildung erfährt. Jetzt werden die Mittel zur Verfügung gestellt, eine längst überfällige Aufgabe kann angegangen werden.

Das ist wirklich ein spannendes Thema und wir drücken die Daumen, dass es zu keinem blinden Aktionismus kommt. Vielen Dank für deine Zeit, Markus.


Auch das Ziel von unserer Kollegin Alisa ist es, die Digitalisierung in Behörden voranzutreiben. Erfahre in diesem Artikel mehr darüber: