Zwischen Testmanagement, VW-Bus und Jakobsweg

Als Lead Consultant Quality Assurance & Testmanagement hat sich der normale Arbeitsalltag von Frank in diesem Jahr um 180 Grad gedreht. Im Interview sprechen wir mit ihm über die neuen Herausforderungen an die Beratung remote, über die Zukunft des Testmanagements, über das Wandern und das Urlaubmachen.

Hallo Frank, wie geht es dir?

Mir geht es gut, obwohl es echt eine verrückte Zeit ist. Wir arbeiten seit März fast ausschließlich remote von zuhause und das ist beruflich für mich eine komplette Veränderung, an die ich mich immer noch gewöhnen muss. Als Berater saß ich vor der Pandemie meistens montags im ersten Flieger zum Kunden und Donnerstagabends ging es wieder zurück. Und nun mache ich das alles von zuhause.

Und funktioniert das gut?

Eigentlich kriegen wir das gut hin. Ich habe in diesem Jahr viel dazugelernt, sodass die Online-Meetings noch besser funktionieren. Ich achte auf Kleinigkeiten wie z. B. auch online immer mit Small Talk einzusteigen und die Dokumentation nicht zu unterschätzen. Aber noch wichtiger ist, die Leute immer wieder abzuholen. Im Büro sieht man, wenn sie gedanklich nicht bei der Sache sind. Jetzt können sie theoretisch nebenbei online ihre Weihnachtseinkäufe machen und du bekommst es nicht mit. Durch direkte Ansprache versuche ich die Teilnehmer*innen immer wieder zu involvieren. Also ja, es funktioniert, aber das Zwischenmenschliche fehlt leider sehr.

Warum ist das Zwischenmenschliche im Testmanagement wichtig? Hier geht es doch um Software.

Man mag es gar nicht glauben, aber die Gespräche an der Kaffeemaschine sind für uns Testmanagement-Berater*innen sehr wichtig. Beim Testen geht es nicht nur um die Software. Hier prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Auf der einen Seite die IT-Abteilung, die die Software entwickelt, und auf der anderen Seite der Fachbereich, der das Testen häufig als zusätzliche Belastung neben dem Tagesgeschäft empfindet. Wir sind die Vermittler zwischen den Abteilungen – wir erklären und motivieren. Es geht also weniger rein um die Softwarefunktionalitäten, mehr um den Menschen. Unser Blick von außen ist in solchen Fällen immer hilfreich für Unternehmen.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?

Im Moment bin ich für zwei Kunden verantwortlich. Die Aufgabenstellung ist sehr ähnlich. Es sind beides Unternehmen, die SAP schon im Einsatz haben. Der Auftrag ist zu identifizieren, wie sie das Testen besser aufstellen können. Zunächst erfolgt also eine Analyse des aktuellen Istzustands im Testen – das hatte mein Kollege Alexander ja auch schon im Karriereblog berichtet. Bei einem Kunden sind wir aber auch schon weiter im Prozess. Es ist ein Versicherungskonzern aus Süddeutschland und hier sind wir zurzeit dabei, ein Testkonzept zu finalisieren, um die Verbesserungen dann im Laufe diesen Jahres gemeinsam mit dem Kunden umzusetzen.

Du bist seit 2019 bei AKQUINET. Hast du vorher schon im Testmanagement gearbeitet?

Ja. Ich bin jetzt Mitte 50 und habe von der Pike auf IT gelernt – mit der Ausbildung als Datenverarbeitungskaufmann. Seit 30 Jahren bin ich nun in der Beratung tätig und seit ca. 14 Jahren im Testmanagement. Einige Jahre war ich auch freiberuflich tätig, bis ich mich für einen Wechsel in einen großen Konzern entschieden habe. Das Konzernleben war aber gar nicht meins. Vieles wurde nach Indien verlagert und ich war nur irgendein Nümmerchen in Europa – einer unter vielen. Es gab lange Entscheidungswege und keinerlei Möglichkeit, etwas mitzugestalten. Das ist jetzt anders.

Wie ist es jetzt?

Wir setzen sehr viel auf Kollegialität. Einmal die Woche kommen wir – in Pandemie-Zeiten natürlich digital – zusammen, plaudern und tauschen uns fachlich aus oder es gibt ein virtuelles gemeinsames Feierabendbier. Aber auch so rufen wir uns gegenseitig an, fragen, wie es dem anderen geht und ob alles in Ordnung ist. Als Team entscheiden wir fast alles gemeinsam. Wie zum Beispiel beim Thema Weiterbildung. Zurzeit haben wir uns das Ziel gesetzt, uns noch besser in Richtung Agilität aufzustellen. Wir entscheiden also zusammen, wer die Ausbildung zum Agile Tester beginnt und wer welche neuen Tools zum Beispiel zur Testautomatisierung dazulernt. Gemeinsam entwickeln wir eine Zielrichtung und eine Strategie.

Du hast die Testautomatisierung angesprochen. Wird zukünftig alles automatisiert?

Testautomatisierung ist einer unserer Schwerpunkte. Und ja: Einiges, was heute ein Fachbereich manuell testen muss, wird automatisiert, sodass sich die Abteilung wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren kann. Wir werden aber jetzt nicht alle durch Maschinen ersetzt, da auch weiterhin manuell getestet werden muss. Und Testmanager werden nach wie vor gebraucht, um den Prozess zu steuern und das Zwischenmenschliche im Blick zu haben.

Was muss man deiner Meinung nach für die Beratung mitbringen?

Wichtig ist, dass man gut mit Menschen umgehen kann. Man denkt immer, das ist IT und das ist technisch. Das ist es nicht nur, man muss den Menschen im Fokus haben. Aber natürlich muss man auch ein Auge fürs Technische haben und Lust haben, Fehler zu finden. Und ich glaube, dass der Beruf auch nach der Pandemie weiterhin Reisetätigkeit erfordert. Klar haben wir gelernt, dass man einiges remote machen kann, aber Workshops etc. sind einfach besser vor Ort durchzuführen.

Vielen Dank für den Einblick in deinen Beruf, Frank. Wie kann man sich eigentlich den privaten Frank vorstellen?

Wenn ich nicht arbeite, bin ich viel draußen. Ich entdecke gerne die Natur, gehe joggen oder mit meinem Hund spazieren. Außerdem habe ich das Wandern im letzten Jahr für mich entdeckt. Den Jobwechsel habe für eine Auszeit genutzt und bin den Camino del Norte des Jakobswegs gelaufen. Das kann ich jedem empfehlen. Für mich war es auch nicht das letzte Mal. Ansonsten mache ich häufig Urlaub mit meinem VW-Bus. In diesem Jahr wollte ich mit meiner Familie eigentlich wieder Urlaub in Thailand machen, aber das haben wir natürlich abgesagt. Ich hoffe sehr, dass man bald wieder unbeschwert reisen kann.

Das hoffen wir auch. Vielen Dank für diesen Einblick, Frank.


Frank hat uns einen Einblick ins Testen dageben. Doch ohne Softwareentwicklung gibt es nichts zu testen. Lerne unseren Kollegen und Entwickler Christian kennen, der die Projektlösung DYNAMIC CROSSOVER, die auf Microsoft Business Central basiert, von Anfang an mitentwickelt: