Digitale Hafenlogistik – Zwischen Büro und Hafenterminals in der ganzen Welt

Weltweit werden täglich gewaltige Mengen Transportgut auf immer größeren Schiffen verladen. Dahinter stecken aufwendige Logistik-Prozesse, die ohne clevere IT-Lösungen nicht denkbar wären. Genau in diesem Feld arbeitet unser Kollege Hubertus seit neun Jahren. Im Interview berichtet er uns mehr über seine Arbeit.

Hallo Hubertus, du bist im Team der akquinet port consulting GmbH. Was genau macht ihr?

Wie es der Name schon sagt, sind wir in der maritimen Logistik unterwegs. Dabei haben wir zwei Standbeine. Zum einen die TOS-Implementierung mit RBS TOPS, wobei TOS für Terminal Operation System steht. Dahinter steckt ein komplexes IT-System, mit dem ein Terminal Container administriert und deren Bewegungen plant und ausführt. Entwickelt wird es von RBS, Sydney, Australien. Wir übernehmen die Kommunikation mit den Kunden, das Projektmanagement und die Durchführung für diese Implementierung im Raum EMEA.  
Unser zweites Standbein heißt CHESSCON. Dieses Container Terminal Simulation Tool haben die Bremerhavener Kolleg*innen in ihrer Zeit als ISL Application selbst entwickelt, bevor wir uns Ende 2018 zur port consulting zusammengeschlossen haben. Es kann die verschiedensten Abläufe in einem Terminal simulieren, was man super für Planungen und Optimierungen nutzen kann. Mit CHESSCON und TOPS haben wir quasi die ganze Palette des Terminal Operations in unserem Portfolio, vom strategischen Ansatz über Prozess-Tuning bis hin zur Unterstützung des laufenden Betriebs. 

Was genau ist deine Aufgabe?

Für CHESSCON Projekte übernehme ich das Projektmanagement, die Analyse der Simulations-Ergebnisse und die Dokumentation der daraus abgeleiteten Empfehlung für den Kunden. In den TOS Implementation Projekten bewege ich mich in der Schnittstelle zwischen Fachbereich und Entwicklung. Dabei habe ich unterschiedliche Aufgaben wie z. B. Anforderungsanalyse, Testen, Training und Go-Live Support. Als erstes habe ich herauszufinden, welche Ziele der Kunde verfolgt und wie wir ihn mit unserem TOS dabei optimal unterstützen. Spezifische Prozesse, die das System nicht abbilden kann, übersetze ich so in Change Request Spezifikationen, dass die Entwicklungsabteilung in Australien diese bestmöglich umsetzen kann. Danach übernehmen wir im Rahmen des Qualitätsmanagements das Testen des auszuliefernden Systems, auf das wir dann die User des Terminals schulen. Schließlich unterstütze ich den Kunden beim Go-live, d. h. bei der Produktivsetzung vor Ort. So bin ich auch international tätig. 

Wo bist du denn schon rumgekommen?

Als ich vor neun Jahren bei AKQUINET startete, ging es gleich hinaus in die weite Welt. Wir hatten z. B. Projekte in Frankreich, in Westafrika, in Brasilien und zukünftig kommen wahrscheinlich auch Neue außerhalb Europas hinzu. 

In letzter Zeit hat die Corona Pandemie leider Reisen verhindert, doch nach einer Phase der Zusammenarbeit per remote werden wir voraussichtlich nun im Juni unseren aktuellen Kunden im bayrischen Hof vor Ort helfen, mit unserem TOS produktiv zu gehen. 

Hat Hof einen Hafen?

Hof hat einen Dry Port, ein Terminal ohne den Verkehrsträger Schiff. Unser TOS wird nämlich neben den maritimen Terminals auch immer öfter bei Bahnterminals eingesetzt. Die Beförderung über den Landweg nimmt durch die sogenannte Seidenstraße stetig zu. Durch dieses globale Handelsnetzwerk gelangt immer mehr Transportgut auf Schienen von China quer durch Asien nach Deutschland. Solche Terminals entstehen von hier bis Shanghai, und da sind wir auch mit dabei. 

Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

Das Besondere ist für mich das Interdisziplinäre und die vielen verschiedenen Anforderungen, sei es kulturell, sei es sprachlich, sei es technisch. Die Unterschiedlichkeit der Projekte macht es so spannend. Jedes Projekt bringt neue Herausforderungen mit sich. Ich bin IT-Berater, Geschäftsprozessberater und Projektmanager und arbeite interkulturell zusammen.  

Bringt die interkulturelle Zusammenarbeit auch Herausforderungen mit sich?

In Europa ist das noch recht einfach. Aber außereuropäisch ist es schon manchmal eine Herausforderung, alle Beteiligten zu verstehen. Damit meine ich nicht nur die sprachlichen Barrieren, sondern die wirkliche Bedeutung hinter dem Gesagten. Da braucht es kulturelle Sensibilität. In unserem Job hilft es also, andere Kulturen zu verstehen und im Idealfall auch die Sprache zu beherrschen – das ist aber kein Muss. Neben meiner Muttersprache Deutsch spreche ich geschäftssicher Englisch und ein wenig Französisch. Mein Kollege Stefan versteht sich auf Spanisch, und so verteilen wir uns auch auf die verschiedenen Projekte. 

Gibt es Berührungspunkte zu anderen AKQUINET-Schwestergesellschaften?

Da fällt mir direkt eines unserer Projekte im Hafen von Togo ein. Hier war das Gebäude mit dem RZ noch nicht fertig, und dann hat die akquinet data center competence GmbH für ein mobiles Rechenzentrum in einem Container gesorgt. Bei einem anderen Projekt in Frankreich haben wir durch Unterstützung der akquinet system integration GmbH und der akquinet hosting services GmbH auch für die Hardware gesorgt. Wartung und Monitoring wird immer noch von einer AKQUINET-GmbH übernommen. Aktuell arbeiten wir auch eng mit unseren Kolleg*innen der akquinet tech@spree GmbH in der Entwicklung zusammen. Also ja, es gibt einige Berührungspunkte.

Wie kann man sich das Arbeiten in deinem Team vorstellen?

Bei uns wird Teamwork großgeschrieben. Aktuell kommt unser beschauliches Team von zehn Kolleg*innen täglich bei einem morgendlichen Videochat zusammen, und wir besprechen die aktuellen Themen. Darüber hinaus treffen wir uns einmal im Monat bei einem „Havenfrühstück“ in unserem Büro in Bremen oder Bremerhaven – im Moment natürlich nur digital. So eines hat z. B. heute Morgen stattgefunden. Erst haben wir über Gott und die Welt geplaudert und dann gab es eine Vorstellung zu einem neuen CHESSCON Modul. Da ich eher bei den TOS-Projekten involviert bin, ist es auch immer spannend, etwas aus den CHESSCON-Projekten zu hören. Hier arbeiten wir z. B. gerade mit einem der weltweit größten Hafen- und Terminalbetreiber zusammen. Unsere Vision ist es, die TOS- und CHESSCON-Projekte noch mehr zu vereinen.  

Was sollte man mitbringen, um bei euch im Team der akquinet port consulting GmbH zu starten?

Teamwork ist wichtig, und man sollte flexibel sein. Flexibel in Bezug auf die sich ständig ändernden Arbeitsinhalte. Wir haben auch das große Glück, unsere Arbeitszeit frei zu gestalten. Je nach Projekt kann es aber auch mal vorkommen, dass man sehr lange Tage dabei hat, an anderen kann man eher gehen. Letztendlich geht es darum, dass das System funktioniert und daher sollte man die nötige Motivation dafür mitbringen, sich für das Projekt einzusetzen. Ganz offensichtlich sollte man Reisebereitschaft mitbringen. Vor Corona waren wir vier bis acht Wochen im Jahr unterwegs, und auf so einem Terminal im Hafen kann es schon mal ungemütlich und dreckig sein. Aber es ist auch extrem spannend, wenn man von diesem Beobachtungsturm auf den ganzen Hafen schaut. Rau ist auch manchmal der Ton, denn die Hafenwelt ist hemdsärmelig und immer noch sehr männlich dominiert. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn unser Team noch mehr durch Frauen verstärkt wird. 

Vielen Dank für diesen Einblick, Hubertus.


Vor der Zeit bei uns war Hubertus bei Airbus als Entwickler tätig. Dort lernte er Jörg kennen, der dann zu AKQUINET wechselte. Durch Erzählungen begeisterte Jörg dann auch Hubertus für die Arbeit in der Hafenlogistik. Jörg hat direkt die Schnittstellen von der Luftfahrt zum Hafen gesehen. Auch bei Airbus geht es um Bewegung und Transport, und der technische Hintergrund, also das Information-Engineering-Prinzip, ist bei diesen IT-Projekten sehr ähnlich. Ein Thema, für das Jörg steht, ist Agilität. Erfahre in diesem Interview mehr darüber: