AKQUINET mietet Wohnraum für geflüchtete Menschen

Andrea ist seit 15 Jahren bei der AKQUINET am Standort Berlin. Das 90-köpfige Team berät Unternehmen rund um Individualsoftware von der Idee, über Konzeption und Entwicklung bis zum Betrieb. Andrea leitet dabei ein Team aus über zehn UX-Expert*innen. Im Sommer dieses Jahres hat sie eine Initiative für geflüchtete Menschen gestartet. Wir haben sie dazu im Interview befragt.

Liebe Andrea, was steckt hinter eurer Initiative für geflüchtete Menschen?

Kurz gesagt geht es darum, dass wir eine Wohnung für ukrainische Geflüchtete angemietet haben. Die Idee kam mir bei einer Rundmail unserer Hausverwaltung. Unser Büro ist in einem Gewerbehof in Berlin-Schöneberg und unsere Hausverwaltung räumt den Mitarbeitenden der ansässigen Firmen Vormietrecht bei ihren Wohnungen ein. Als gerade der erste Flüchtlingsstrom aus der Ukraine in Berlin ankam, gab es wieder eine Rundmail mit einer freien Wohnung.

Tolle Idee! Und wie ging es nach der Mail weiter?

Zunächst habe ich unserer Geschäftsführung von der Idee erzählt und sie waren begeistert. Dann ging es auch ganz schnell. Unser Geschäftsführer Martin kennt die Hausverwaltung persönlich und nach einem ersten Gespräch kam er direkt mit einer Vereinbarung zurück. Die Hausverwaltung hat die Wohnung für sechs Monate für eine vergünstigte Miete zur Verfügung gestellt. AKQUINET hat den Mietvertrag unterschrieben und dann stand ich da mit einer leeren Wohnung, die eingerichtet werden musste.

Wie bist du vorgegangen?

In unserem Forum habe ich bei den Kolleg*innen angefragt, wer Lust hätte sich mit mir gemeinsam darum zu kümmern. Darauf meldeten sich einige Kolleg*innen, die alle auf unterschiedliche Weise mit anpackten. Außerdem stand ich mit der Hausverwaltung in Kontakt und es wurde eine Rundmail an alle Firmen versendet mit der Bitte um Sachspenden für die Wohnung. Dabei hat sich auch herausgestellt, dass der Chef von einer Gebäudeservice-Firma hier im Gewerbehof auch Ukrainer ist und sich schon selbst aktiv um Geflüchtete gekümmert hat. Er konnte mich daher bei bestimmten Themen gut unterstützen.

Konnte die Wohnung mit den Sachspenden eingerichtet werden?

Es kam wirklich Einiges zusammen. Dann ging es darum herauszufinden, was wir schon haben und woran es noch fehlt bzw. was wir mehrfach hatten. Wir haben dann auch noch weitere Quellen akquiriert, wie nebenan.de. Meine Kollegin Sarah hat sich darüber hinaus um Geldspenden unter den Kolleg*innen gekümmert, damit sich die Bewohner*innen fehlende Dinge auch noch selbst kaufen konnten. AKQUINET hat noch eine Waschmaschine gespendet.

Und wer ist dann schließlich eingezogen?

Unsere Kollegin Maryna kommt aus der Ukraine und Bekannte von ihr haben genau zu dem Zeitpunkt eine Wohnung gesucht. Das passte perfekt. Sie sind zunächst in einem Hotel in Berlin untergekommen, mussten dann aber raus. Seit Juni wohnen in der Wohnung vier Frauen und ein zehnjähriger Junge aus Charkiw und Odessa.

Was bedeutet dir die Initiative?

Auch wenn es mir zwischendurch echt über den Kopf wuchs, hat es sich gelohnt. Natürlich ist mir bewusst, dass das bei all dem Leid nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Ich bin selbst Mutter von zwei Kindern und es ist schon bedrückend das so nah mitzubekommen. Der zehnjährige Junge zum Beispiel hat einen alleinerziehenden Vater, der vor Ort bleiben musste. Er bekommt ja auch über die Medien mit, was dort passiert. Er ist mit seiner Oma nach Berlin gekommen, kann aktuell nicht zur Schule gehen und alles ist fremd. Ich bin froh, dass sie zumindest in der Zeit kostenlos in Museen, Schwimmbäder und Co gehen können, um ein bisschen Normalität zu haben – das sollte meiner Meinung nach nicht nur für ukrainische Geflüchtete möglich sein. Ich bin wirklich froh, dass wir den Menschen mit geballter Kraft eine Wohnung bereitstellen konnten. Das zeigt unsere Unternehmenskultur.

Wie beschreibst du eure Unternehmenskultur? 

Ich habe bald mein 15-jähriges Jubiläum bei AKQUINET und für mich ist es eine besonders hilfsbereite und wertschätzende Kultur. Während der Corona-Anfangszeit haben z. B. Kolleg*innen Überstunden für die Eltern gespendet, die durch die Kinderbetreuung nicht auf ihre Stundenanzahl kamen. Für mich ist es ein schönes Miteinander, jede und jeder hat die Möglichkeit das Arbeitsumfeld selbst mitzugestalten.

Wie geht es nun weiter?

Erstmal wollen wir alle Unterstützer*innen und die Bewohner*innen im Biergarten zusammenbringen. Das hat aufgrund der Urlaubszeit noch nicht stattgefunden und dann müssen wir mal schauen, wie es weitergeht. Bis Oktober haben wir die Wohnung noch angemietet, aber unsere Gäste werden sicher länger in Deutschland bleiben müssen. Zum Glück ist die Hausverwaltung sehr kooperativ, da werden wir sicher eine Lösung finden.

Vielen Dank für diesen Einblick in eine tolle Aktion, Andrea!


Zum 90-köpfigen Berliner AKQUINET-Team gehört auch Lukas, der im Team der „Pirates“ insbesondere Lösungen für die Hafenlogistik entwickelt. Erfahre hier mehr darüber: