Berufliche Inklusion: Unser Leiter Service Desk berichtet aus zehn Jahren Erfahrung

Unser Kollege Stefan arbeitet schon viele Jahre in der IT-Branche. In einem Unternehmen wie AKQUINET hat er vorher noch nicht gearbeitet, denn hier wird berufliche Inklusion von Menschen mit einer Behinderung großgeschrieben. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen als Leiter des Service Desk Teams in der Führung eines inklusiven Teams.

Hallo Stefan, was machst du hier bei AKQUINET?

Ich bin seit gut zehn Jahren bei AKQUINET im IT-Outsourcing beschäftigt und verantworte den Service Desk. Früher, als wir noch kleiner waren, habe ich mich auch mit um Desktop Service, SNOC und Client Management gekümmert.

Hast du dich vor zehn Jahren bewusst für ein Unternehmen entschieden, das sich für Inklusion einsetzt?

Nein. Ich kannte AKQUINET vorher überhaupt nicht. Dass ein Teil der AKQUINET auch ein Inklusionsbetrieb ist, wurde mir erst bewusst, als ich hier war. Ich persönlich fand es am Anfang schwierig. Die 15 Jahre davor war ich auch im IT-Support tätig, aber die Unternehmen waren ganz anders. Dort hat man nicht so viel Rücksicht auf persönliche Beeinträchtigungen von Kollegen genommen.   

Welche Erfahrungen hast du als Leiter eines inklusiven Teams gesammelt?

Man meint gar nicht, wie schwierig das Leben für Menschen mit einer Behinderung manchmal ist. Es gab Mitarbeiter, die sich aus dem Krankenhaus telefonisch krankmeldeten, da sie wieder einen Zuckerschock hatten. Als Abteilungsleiter war es für mich daher auch manchmal nicht einfach. Darüber hinaus haben schwerbehinderte Mitarbeiter*innen ja mehr Urlaubstage und können, je nach Behinderung, auch öfter krank sein als andere. Auf der anderen Seite habe ich Mitarbeiter*innen mit einer Behinderung, deren Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt ist. Man darf also nicht verallgemeinern.

Warum setzt sich AKQUINET für Inklusion ein? 

Am Anfang war mir das selbst nicht so bewusst, doch ich habe schnell gemerkt, mit wie viel Herzblut die Geschäftsführung der akquinet outsourcing gGmbH sich dafür einsetzt. Unser Ziel ist es, Schwerbehinderten einen sinnvollen Job im IT-Bereich anzubieten und ihre Stärken zu nutzen. Dabei schauen wir natürlich schon, wen wir einstellen, denn die Person selbst muss im Job zufrieden sein und ins Team passen. Bei uns im Service Desk funktioniert es zum Beispiel nur, wenn jemand selbstständig arbeitsfähig und kommunikativ ist.

Was muss jemand für den Job im Service Desk mitbringen?

Ganz klar Kommunikationsstärke und ein offenes Verständnis für IT-Probleme. Man muss eine Vorstellung davon haben, um welches Problem es sich handelt, wenn der Kunde es in einer E-Mail oder am Telefon beschreibt. Wir müssen dann schnell entscheiden, woran es liegen könnte, ob wir direkt helfen können, andere Fachabteilungen zuständig sind, es ein einzelnes Problem ist oder es sich um ein zentrales Problem handelt. Unseren Kunden ist es egal, ob jemand mit oder ohne Schwerbehinderung seine Störung behebt und es spielt für uns keine Rolle, ob man nicht so gut sieht, wie zum Beispiel unser Kollege Lucas, oder eine Spastik hat, wie unser Kollege John, die ja auch interviewt wurden.

Müssen Bewerber*innen mit einer Behinderung schon IT-Erfahrung mitbringen?

Ja, wir nehmen allerdings unseren Inklusionsauftrag sehr ernst und möchten daher auch schwerbehinderten Personen eine Chance geben, die noch keine jahrelange Erfahrung mitbringen. In einem solchen Fall haben wir im Bewerbungsgespräch meist keine konkrete Stelle vor Augen. Wir fragen dann zunächst generell nach den individuellen Stärken und kommen dann auf die Frage, welche Hilfsmittel gebraucht werden und welche No-Gos es gibt. Nach dem Gespräch schauen wir dann, ob und wo wir den Bewerber oder die Bewerberin einsetzen können.

Ihr schaut also auch erst später, in welches Team der Kandidat oder Kandidatin passt?

Genau. Wir geben uns Mühe eine passende Stelle zu finden. Das heißt aber nicht, dass wir für jeden eine Position finden. Manchmal merken wir auch schon im Gespräch, dass es nicht passt. Wir suchen selbstständige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die wir nach ihren Stärken einsetzen und sie dabei natürlich so gut es geht unterstützen. Wenn aber jemand schon von vorneherein klar macht: Ich habe ein Schwerbehinderung und es muss immer auf meine Wünsche eingegangen werden, dann passt die Haltung einfach nicht zu unserer Kultur. 

Vielen Dank für deine Zeit, Stefan. Es ist spannend zu hören, wie du die letzten zehn Jahre bei der akquinet outsourcing gGmbH erlebt hast.


Ein Kollege aus Stefans Team ist Lucas, der seit 16 Jahren ein Teil der AKQUINET ist. Geboren wurde er mit der Augenerkrankung Grüner Star. Doch ihm ist wichtig, dass er darauf nicht reduziert wird, denn „jeder hat seine Stärken“. Erfahre mehr von Lucas und was er sich von Menschen ohne Behinderung wünscht in diesem Interview:

(Verlinkung zum neuen Interview von Lucas, das noch nicht online ist)